LESSSER feat. Maika Hassan-Beik
„Laura Hassan-K./Gnasgnochengnankheit, oder: Bis man so schlau ist, dass man nur noch schlaue Sachen sagt, hat man schon viel dummes Zeug erzählt“



25. Februar - 20. März 2011


Basierend auf den Texten des Hunsrücker Autors Franz Horath arbeitet die internationale Künstlergruppe LESSSER seit nunmehr drei Jahren an ihrem Projektzyklus „Laura“, der in wechselnden künstlerischen Medien die nicht abgeschlossene Geschichte eines gleichnamigen schizophrenen und knochenkranken Mädchens erzählt, das mit seinen Eltern und der Katze auf einer einsamen Insel vor Holland wohnt.
Nach ihren letzten Ausstellungen in Baltimore, Kiel und Kopenhagen zeigt die Gruppe nun im Karlsruher Kunstraum Morgenstraße in Kooperation mit der Performancekünstlerin Meika Hassan-Beik das belebte Environment „Laura Hassan-K./Gnasgnochengnankheit, oder: Bis man so schlau ist, dass man nur noch schlaue Sachen sagt, hat man schon viel dummes Zeug erzählt“.




Die haben mich in den Schrank gesperrt und stehen draußen vor der Tür. Sie hören jede Bewegung.


„Wenn man träumt, dass einem die Zähne ausfallen, stirbt man.“ Und ich träume wirklich nur von Zähnen, wenn’s mir nicht gut geht, in Selbstmordphasen oder während meiner neuesten Altersdepressionsphasen (ich bin soeben 30 geworden und habe damit den allgemeinen Zenith überschritten – nein, das ist gelogen, ich bin natürlich viel älter).


Sie redet unaufhörlich, aber man darf sein eigenes Kind nicht umbringen…


Sie sieht mich beim Nasenbohren, aber ich kann’s mir nicht abgewöhnen. Ich will nicht unbedingt freundlich sein, wenn ich lächele, das führt teilweise zu skurrilen Situationen.


Ich falle auseinander. Die Familie macht sich lustig über die dünn behaarte Stelle an meinem Hinterkopf, und immer wenn ich daran denke, muss ich daran rumfummeln, dadurch wird’s auch nicht besser. Es sind feine, wertvolle Härchen, rar und zerbrechlich da hinten.


Sie ist nur eine literarische Figur von mir, aber ich darf sie trotzdem nicht töten. Aber sie soll mir auch nicht immer sagen, was ich zu tun hab. Ich würde gern einen Tag ohne sie verbringen. Sie redet und redet und redet, ich kann kaum mehr ein Gespräch führen mit jemandem, weil ich nichts mehr verstehen kann - „BLA BLA BLA BLA“


Ich kann auch kaum mehr ein Wort schreiben, weil sie immer dazwischen redet, aber Alkohol hilft. Der viele Schnaps ist zu viel für das kleine Kind, sie kann nicht mehr richtig reden oder beschäftigt sich mit sich selbst oder schläft ein.


Sie müssen sich das überlegen:
Das Meer hat sie weggespült, sie ist „transzendent“, sie ist ein Geist, sie existiert in Dingen oder in Worten und vor allem in mir, aber nicht in der Realität!


Ich bin so unheimlich müde. Ich hab Unmengen getrunken und wenig geschlafen, oder ich weiß nicht, vielleicht doch, vielleicht habe ich einen Tag im Schlaf verloren zwischendurch ohne was zu merken.


Ich bin krank übrigens: Ich habe die Dostojewskijsche Schwindsucht – ich schwinde, mein Geist ergibt sich im Lauf der Geschichte mehr und mehr seinem eigenen Gewicht und hat sich zum Schluss komplett selbst erdrückt.


Ich verbringe die Tage brütend über einem Stapel Papier bei schwachem Licht, das ist nicht gerade gut für die Augen, und bei schwachem Bewusstsein und starkem Alkohol. Die kahle Stelle an meinem Hinterkopf macht mir zu schaffen, mein Bauch knurrt und aus meinem geschundenen Magen stößt der Schnaps auf von Zeit zu Zeit.
Mein Gott, wenn ich jetzt auf meine Katze kotzen würde, würde sie von der Kotze in Sekundenschnelle zersetzt werden.


♫ Gestört gestört gestört
Sind alle meine Beziehungen/
Gestört gestört gestört
Ist alles was ich hab/
Warum ist das,
Dass alles an mir so gestört ist?/
Weil mein Vater mich in Grund und Boden geprügelt hat ♫


Ich könnte doch mal was Normales denken, aber ich schaff’s einfach nicht. Ich kann ja nicht mal was Normales essen, ich hasse alles Gemüse und ersetze es durch Schnaps. Vielleicht bin ich irgendwann berühmt und alle finden das cool, wie Kurt Cobain, der sich voll tragisch in den Kopf geschossen hat, oder Morrison, der so geheimnisvoll tot in der Badewanne gelegen hat, aber gerade fänd ich’s cool, wenn ich Gemüse mögen und nur mit einer Stimme denken könnte.


Franz Horath am 25. Februar 2011