Matt Calderwood
Johannes Hartmann
Matthias Fritsch
Nina Radelfahr
Franziska Wicke



1.März 2008 - 12.April 2008


Wie ereignet sich Dekonstruktion in der Kunst? Dieser Fragestellung geht der Kunstraum: Morgenstraße in der Ausstellung Doppelte Gesten nach. In der international besetzten Gruppenausstellung werden Arbeiten von fünf Künstlern gezeigt, die in verschiedenen Medien Modelle dekonstruktiver Praxis aufzeigen und klassische Rezeptionsmuster von Kunst kritisch hinterfragen. Allen Positionen ist dabei gemein, dass sie an Kunst gestellte Erwartungshaltungen ent-täuschen – sie nicht einlösen oder mit ihnen spielen. Ent-Täuschung ist aber auch als Gegensatz zu Täuschung zu verstehen, scheinen doch gerade im Moment des Entzugs die Regeln und Mechanismen des Spiels hervor, das zwischen ihnen und dem Betrachter stattfindet.
Matt Calderwood präsentiert mit "Strips (vertical)" eine Art von fröhlichem Ikonoklasmus, mit dem er die Projektionen und Erwartungen des Betrachters an Monochromie und Abstraktion einer spielerischen Dekonstruktion unterzieht. Matthias Fritsch bedient sich in "Annabel-Lange-Bogen" eingeschliffener Wahrnehmungsverhalten, um eben diese auf subtil humorvolle Weise zu hinterfragen. Johannes Hartmann widmet sich in seiner Arbeit "Nach Sandro Botticelli: hl. Sebastian" einem Stück Kunstgeschichte und unterzieht es einer Relektüre, die den klassischen Werkbegriff in einer Ästhetik des Verschwindens performativ aufbricht. Mit "Ephemeral" hinterfragt Nina Radelfahr unser Verständnis von (Selbst)Portraits: Indem sie diese als Versuche entlarvt, Projektionen fest zu schreiben, sensibilisiert sie den Betrachter für einen nicht integrierbaren Rest, der in ihnen aufscheint. In Franziska Wickes Arbeit stellt sich die Frage der Autorschaft ganz offensichtlich. Indem sich der Betrachter durch Partizipation in die Arbeit einschreibt, konfrontiert Wicke ihn damit, seine Rolle ausloten zu müssen.
Durch den ephemeren Charakter einiger Arbeiten wird sich die Ausstellungssituation als Ganzes mit der Zeit verändern, dadurch werden neue nichtvorhersehbare Verbindungs- und Trennungslinien entstehen und somit Dekonstruktion auch auf kuratorischer Ebene ins Blickfeld gerückt.