Daniel Kiss
Sebastian Tröger




19. November - 12. Dezember 2010


Wenn die Institutionen das Sagen hätten, wäre die Kunst in saubere Einheiten aufgeteilt: Dann gäbe es künstlerische Objekte, die entweder als Ware auf dem Kunstmarkt oder als kulturelles Erbe im Museum landen würden, und spezialisiertes Personal würde sich an entsprechenden Orten der Produktion, Verwaltung und Vermittlung dieser Objekte widmen. Auch wenn das Kunstsystem oberflächlich dieser Idee folgt und passende Berufsbilder parat hat, ist es natürlich in sich selbst ein Geflecht aus Uneindeutigkeiten, und die „Ausstellung“ der Ort, an dem sich dieses Geflecht selbst zur Schau stellt.
Jede Ausstellung erhebt den Anspruch, mehr zu sein als die Summe ihrer Objekte - über diesen schwebend soll die genialische Idee derjenigen zu sehen sein, die sie unter einem bestimmten Thema kuratiert haben, oder das ebenso genialische Ego derjenigen, die die Objekte geschaffen haben. Jede Ausstellung ist zugleich ein logistisches Vorhaben, in dem die künstlerischen Objekte in einen konstruktiven Dialog mit den Gegebenheiten des Ausstellungsortes treten sollen; seien dies nun Wände, Säulen und Lichtquellen, oder das zu erwartende Publikum und die Presse. Ab dem 19ten November 2010 zeigt der Kunstraum: Morgenstraße mit „Déformation Professionelle“ der Nürnberger Künstler Daniel Kiss und Sebastian Tröger eine Ausstellung, die diese sonderbare Situation selbst verbildlicht: Die Ausstellung einer Installation, in der installativ eine Ausstellung entsteht; das Festhalten eines Moments, an dem nicht unterschieden werden kann, was ungehemmte Inspiration ist und was technische Notwendigkeit. Und schließlich steht vor allem die Frage im (Ausstellungs-)Raum, wer durch wen geprägt – deformiert – wird: Ist die Ausstellung ein Ort und ein Ereignis, das Kunst ermöglicht, oder gehorcht die Kunst – und somit diejenigen, die sie produzieren und zeigen, vielmehr den Anforderungen, die das Ausstellen vorgibt?


Kiss und Tröger betreiben hier keine Institutionskritik, die das Kunstsystem aus der Position von Unbeteiligten seziert; die einzige Distanz, die sie zulassen und die ihnen den Blick auf das Ganze ermöglicht, ist der Humor: Ein Schritt zurück vom Objekt, der dieses im Kontext der „Ausstellung“ sichtbar macht, aber vor allem im Kontext unserer eigenen Erwartung an das Objekt im Kunstraum, das zwischen Ding und Werk oszilliert, zwischen Dekoration und Ästhetik.